Welttag des Sehens: Mit frühzeitiger Erkennung & Behandlung wären 80 % aller Sehbehinderungen auf der Welt vermeidbar

Jedes Jahr im Oktober markiert der zweite Donnerstag den Welttag des Sehens. Genau genommen ist dem Sehen sogar eine ganze Woche gewidmet. Überall auf der Welt finden zahlreiche Veranstaltungen rund um Augengesundheit und Augenlicht statt. Von wissenschaftlichen Vorträgen über Vorsorge-Aktionen bis hin zu Initiativen, die uns für Bedarfe und Anliegen Blinder und sehbehinderter Menschen alle empfänglicher machen. All dies geht zurück auf die Initiative Vision2020 der Weltgesundheitsorganisation WHO (über die wir in unserem Blog bereits berichteten).

Das wichtigste Ziel der WHO ist, die zahlreichen Fälle von Sehbehinderung und Blindheit, die angesichts des Stands der Medizin eigentlich vermeidbar wären, auch verhindern zu können. „Vermeidbar“ bedeutet, dass Menschen deshalb eine Sehbehinderung haben, weil sie Vorsorgemöglichkeiten nicht wahrgenommen haben oder weil ihnen der Zugang zu medizinischer Versorgung – zu Vorsorge und Behandlung – fehlte. Letzteres geschieht am häufigsten in den Regionen der Welt, in denen am wenigsten Geld zur Verfügung steht.


Quelle: The International Agency for the Prevention of Blindness https://www.iapb.org/advocacy/world-sight-day/

Augengesundheit von Kindern ist ein wichtiger Baustein

Während der Großteil der Sehbehinderungen Menschen im Alter über 50 betrifft, gilt auch der Prävention von Blindheit und Sehbehinderungen bei Kindern große Aufmerksamkeit. Schätzungen gehen von rund 1,4 Millionen blinden Kinder aus.[1] Und 63% aller Kinder bis 14 Jahren, die unter einer Beeinträchtigung des Sehvermögens leiden, könnte ganz einfach mit einer passenden Brille geholfen werden.[2] Doch in vielen Gegenden gibt es nicht genug Arztpraxen und Krankenhäuser oder der Arztbesuch ist zu teuer für die Familien. Deshalb besteht ein wichtiger Baustein der Vision2020-Initiative Kindern darin, Gesundheitsvorsorge-Programme in die Schulen zu bringen und fachkundiges Personal auszubilden.

Mangelnde medizinische Versorgung ist das Problem

Den häufigsten Ursachen vermeidbarer Sehbehinderungen wäre mit ausreichender Versorgung eigentlich gut beizukommen. So tritt in den meisten Ländern der westlichen Welt Vitamin A-Mangel in der Regel nicht mehr häufig auf. In vielen anderen Regionen mit schwieriger Ernährungslage ist er noch immer eine große Gefahr. Auch durch Maserninfektionen erblinden jedes Jahr rund 60.000 Kinder auf der Welt.[3]

Eine weitere häufige Ursache von Sehbehinderungen ist eine Linsentrübung (oder Katarakt), die angeboren ist oder sich im frühen Kindesalter entwickeln kann. Hier gibt es in der Behandlung mittlerweile gute Erfolge. Viele betroffene Kinder in Entwicklungs- und Schwellenländern haben jedoch keine Möglichkeit ihre Augen untersuchen und behandeln zu lassen.[4]

Vor rund 50 bis 60 Jahren führte auch die Frühgeborenen-Retinopathie in Europa und Amerika häufig zu Blindheit bei zu früh geborenen Babys. Fortschritte in der Medizin brachten hier entscheidende Verbesserungen für die Situation von Kindern in diesen Regionen. Tragischerweise scheint dieses Problem nun gerade in Ländern Osteuropas, Südostasiens und Asiens und Lateinamerikas auf dem Vormarsch zu sein.[5]

Augengesundheit hilft der ganzen Gesellschaft

Vision2020 zeigt Erfolge und doch ist durch den weltweiten Vormarsch der Kurzsichtigkeit bereits eine neue Bedrohung für das gesunde Sehen bei Kindern aufgetreten. Auch diese muss zusätzlich bekämpft werden.

Denn gesundes Sehen bedeutet so viel mehr als nur körperliche Gesundheit. Es ist wichtig für seelische Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe. Menschen mit Sehbehinderung haben gegenüber Menschen mit gesundem Sehen eine dreimal höhere Wahrscheinlichkeit, arbeitslos zu sein und auch im Straßenverkehr zu verunglücken. Auch die Wahrscheinlichkeit an Depressionen zu erkranken, ist dreimal so hoch.[6] Vielen Menschen könnte durch bessere medizinische Versorgung geholfen werden. Frühzeitige und regelmäßige Augenvorsorge schafft die Voraussetzung für gesundes Sehen.

Gesundes Sehen ist eine wichtige Grundlage für Teilhabe an der Gesellschaft – Vorsorge hilft

Die Initiative Vision2020 arbeitet auf der Ebene von Politik und Verwaltung und zielt darauf ab, die grundlegenden Rahmenbedingungen zu verbessern. Im Alltag vor Ort leisten viele gemeinnützige Organisationen wertvolle Arbeit und machen die Augenvorsorge und Behandlung für Kinder in aller Welt wirksamer. Mit einigen konnten wir sprechen und haben hier auf unserem Blog berichtet: die H.I.T-Stiftung und Vision for the World.

Weitere Informationen:

Quellen

[1] https://www.cehjournal.org/article/twenty-years-of-childhood-blindness-what-have-we-learnt/

[2] https://www.ourchildrensvision.org/?utm_source=IAPB_website&utm_medium=web

[3] https://www.kinderaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/masern-koennen-in-seltenen-faellen-zur-erblindung-fuehren/

[4] https://www.iapb.org/knowledge/what-is-avoidable-blindness/childhood-blindness/

[5] https://www.iapb.org/knowledge/what-is-avoidable-blindness/retinopathy-of-prematurity

[6] https://www.who.int/images/default-source/departments/blindness/eyecareinfographic.jpg?sfvrsn=47b60b_2

Mehr über die Initiative Weltgesundheitsorganisation WHO auf unserem Blog:

Ein Recht auf Augenlicht: Die WHO-Initiative Vision2020

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